Wie gut ist Ihr Bewerbungsmarketing? Man stelle sich einen dreibeinigen Hocker vor. Kürzt man ein Bein, oder gar zwei, wird die ganze Sitzerei instabil. Kürzt man alle drei Beine wird der Hocker wieder stabil stehen, allein das Sitzen wird dann recht unkommod, gehen doch die Beine auf den Boden auf.
Das erste Bein unseres Dreibeins steht im Bewerbungsmarketing für den geografischen Aspekt, das Zweite entspricht der monetären Seite und das Dritte schließlich repräsentiert die fachliche Ausrichtung.
1. Geografie: Inwieweit bin ich flexibel und mobil? Bin ich gar für einen Umzug bereit? Wie weit bin ich bereit jeden Tag, also auch bei Nebel, Glatteis, Schnee, Dauerregen, Bruthitze etc. in die Arbeit zu fahren? 30 km, 60, 90 oder mehr als 100? Wie bin ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden? Meine Erfahrung: Jeder wird im Bewerbungsgespräch die täglichen 90 km auf sich nehmen; nur um den Job zu bekommen reden sich viele um Kopf um Kragen und sagen alles zu, um dann nach 3 Monaten wieder zu kündigen. Also: Ehrlich, ganz ehrlich, wirklich ehrlich beantworten.
2. Finanzen: Wie viel habe ich in meinem letzten Job verdient, wie viel verdiene ich momentan und wie viel möchte ich beim nächsten Job verdienen? Wo ist meine Schmerzgrenze? Werde ich beim Gehalt Abstriche machen, wenn Umfeld, Aufgabe, Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven stimmen? Auch hier ist gnadenlose, kompromisslose Ehrlichkeit angesagt!
3. Wie bin ich fachlich aufgestellt, hinsichtlich Ausbildung, Weiterbildung und einschlägiger beruflicher Erfahrung? Wie gut passe ich auf die Wunschposition? Welche Defizite bringe ich mit und wie werde ich mit diesen umgehen? Zu wie viel Prozent ist mein Package kompatibel und passgenau? Wie gut entspreche ich dem Anforderungsprofil?
Die Methode ist einfach, aber nicht leicht. Einfach deswegen, weil die drei Parameter glasklar sind und keinen Raum lassen, eigentlich; weil es so schwierig ist, ehrlich zu sein und ehrlich zu bleiben. Deshalb also nicht leicht.
Wer aber diese drei einfachen, klaren Aspekte GLEICH würdigt und sich in diesem dreieckigen Zielgebiet definiert, hat eine glasklare, eindeutige Positionierung im Bewerbungsmarketing. Und eins kann ich jetzt schon versprechen: Sie haben damit zu 95% die Nase vorn.
“Ihre Stellenanzeige in den Nürnberger Nachrichten vom vom . . . hat mich angesprochen und interessiert mich sehr. Ich möchte mich hiermit auf die Stelle eines/einer Controllerin bewerben.”
Ganz ehrlich: Möchten Sie so was lesen? Was halten Sie von einer dynamischeren Variante:
“Nach erfolgreichem Studium der BWL an der FH in Deggendorf und anschließender 4-jähriger Tätigkeit als Junior-Controllerin bei der ……. GmbH usw.”
Damit haben Sie im ersten Satz schon Ihre Geschütze in Stellung gebracht. Es folgen diejenigen Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit, von denen der zukünftige Arbeitgeber profitieren wird.
Zur Form: Die eigene Adresse als Titelleiste ganz oben gefällt mir persönlich sehr gut. Schriftart: Arial; bitte nicht Times New Roman; langweilig! Blocksatz statt Flattersatz wirkt kompakt, geschlossen und professionell.
Noch was: Das Anschreiben ist kein Lebenslauf! Immer wieder lese ich den gesamten schulischen und beruflichen Werdegang im Anschreiben. Das gehört da nicht hin! Im Anschreiben haben Sie Gelegenheit, sich auf einer Seite zu präsentieren. Personalentscheider haben wenig Zeit. Es kommt super an, wenn Sie Ihre Eignung für just diese Stelle in genau diesem Unternehmen auf gerade mal einer Seite präsentieren.
Fragen?
Bitte keine bunten Lebensläufe mehr! Verschnörkelte Überschriften, alle Designoptionen von MS-Word ausgenutzt, das erschlägt einen und wirkt irgendwie doch unprofessionell. Schwarz-weiß, strukturiert, übersichtlich, prägnant. Wirkt tausendmal besser. Ich bin ein Verfechter der schlichten Eleganz: Content rules und nicht Effekte.
Schriftart? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Ich kann das standardmäßige Times New Roman einfach nicht mehr ab. Zu verschnörkelt. Warum nicht einfach Arial? Da macht niemand was verkehrt. Und bitte: Blocksatz statt Flattersatz. Das wirkt auf die Personalentscheider einfach kompakter, ruhiger, professioneller.
Das sind doch wirklich sehr einfache Dinge, um die Wirkung Ihrer Bewerbung zu erhöhen.
Übrigens: Foto! Das erste, das ich mir anschaue ist das Foto. Sind das wirklich Sie auf dem Foto? Fühlen Sie sich wohl damit, gefällt es Ihnen? Und bitte aktuell. Nein, das ist keine Selbstverständlichkeit. Die Wirkung des Fotos ist wirklich überragend groß. Gehen sie zu einem guten Fotografen, lassen Sie so lange digitale Shots machen, bis eine Aufnahme dabei ist, die Ihnen wirklich zusagt. Kann aber nicht jeder. Immer wieder bekomme ich Bewerbungen mit eingeklebten Fotos, z.T. mit Büroklammer befestigt! Manchmal sogar mit dem in den 70er Jahren so beliebten weißen Rand. Randlos kam dann Anfang der 80er so richtig in Mode. Stand der Technik ist ein gescanntes Foto, das mit dem Deckblatt ausgedruckt wird, erstklassiger Farbdrucker vorausgesetzt.
Fazit: Ihre Bewerbung spiegelt Ihre Wertschätzung dem zukünftigen Arbeitgeber gegenüber wider. Wie wichtig ist Ihnen Ihre Bewerbung bei diesem Unternehmen? So wichtig, dass Sie Ihren Lebenslauf mit Ort, Datum und Original-Unterschrift versehen möchten? So wichtig, dass Sie Ihr “Original” einreichen?
Ich plädiere für die schlichte Eleganz. A
Ausgangssituation: Technisch-Kaufmännischer Sachbearbeiter, 33 Jahre alt, seit zwei Jahren arbeitslos. Seit der Ausbildung zum Industriekaufmann insgesamt 10 Jahre ununterbrochen im selben Unternehmen tätig. Das Unternehmen, ein namhafter, mittelständischer Industriebetrieb im ländlichen Raum, musste 2009 im Zuge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise Mitarbeiter entlassen, darunter unser Kandidat, ledig, jung, der dem Sozialplan zum Opfer fiel. Im Unternehmen durchlief er mehrere sehr interessante Stationen, von der Fertigungssteuerung bis hin zum Customer Service.
Im selben Ort ist ein noch bekannteres Industrieunternehmen ansässig. Ob er sich denn da schon beworben hätte. Nein, er lese natürlich immer wieder die in der lokalen Zeitung und der Stellenbörse auf der Homepage des Unternehmens, welche Positionen ausgeschrieben würden; allerdings sei noch nichts passendes dabei gewesen.
Lösung: Die Kernkompetenzen sind die technische-kaufmännische Sachbearbeitung, fertigungs- und kundenseitig, mit insgesamt 10 Jahren Erfahrung. Es genügte ein Anruf in der Personalabteilung bei besagtem Unternehmen. Die Kernkompetenzen wurden kurz und präzise vorgestellt und auch, warum es 2009 zur Entlassung kam. Das Unternehmen zeigte sofort Interesse.
Was lernen wir daraus? Initiativbewerbungen nach dem Motto: Hier sind meine Unterlagen, schaut mal, wo ich am Besten hinpassen könnte (“Ich bewerbe mich für eine Position in Ihrem Unternehmen”): Bringt nix. Gezielte Initiativbewerbungen unter Nennung der eigenen Kernkompetenzen (Profil) an geografisch und fachlich passende Unternehmen bringen viel.
Ich bevorzuge das Wort “Jobmarketing”.
Stellen Sie sich vor, Sie hätten Ihren Traumjob gefunden, in Hamburg. Es passt alles, Job, Umfeld, Gehalt, einfach alles. Allerdings wohnen Sie in Konstanz, sind verheiratet, haben 3 Kinder und vor kurzem ein Haus gebaut. Wenn Sie nicht zu den ganz Mutigen gehören, werden Sie bleiben.
Das Dilemma: Sie werden dem Traumjob immer nachweinen. Sinnlos, ganz ehrlich.
Alpha und Omega beim Jobmarketing ist die ehrliche, präzise Bestandsaufnahme:
1. Situationsbeschreibung: Aufschreiben, was eigentlich los ist.
2. Rahmen abstecken: GEOGRAFISCH, finanziell, Position, Branche, angestellt oder selbständig usw.
3. Innerhalb dieses Rahmens Alternativen ausarbeiten.
4. Akquise: Damit Sie nicht in der Flut der Bewerbungsmappen verschwinden, empfehle ich anzurufen. ” Ich bin Herr/Frau Meier. Ich bin BilanzbuchhalterIn, habe 5 Jahre Berufserfahrung und möchte mich beruflich verändern. Mit wem kann ich sprechen, um mich über meine beruflichen Möglichkeiten in Ihrem Unternehen zu erkundigen?”
So oder so ähnlich. Wichtig: Einfach, klar, kurz, knackig und präzise. Keine Lebensgeschichte, kein warum, keine Rechtfertigung.
Wenn Sie angemacht werden oder blöd angeredet, stellen Sie sich die Frage: Möchte ich in diesem Unternehmen überhaupt arbeiten?
Die Schwächen äußern sich vor allem in Mathematik, Belastbarkeit und Disziplin.
Wir sprechen vom Rohstoff für den Arbeitsmarkt 2015/2020 und der Basis für den den Standort Deutschland 2050.
Suchen wir nach Schuldigen, nach Ursachen oder nach Lösungen?
Wenn der Kontext den Bach runter geht oder das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, suchen wir lieber nach Lösungen. Dieses Phänomen ist das Ergebnis der vergangenen 30 Jahren und ohnehin nicht mehr kurzfristig zu reparieren.
Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind gleichermaßen betroffen. Das ist das Gute daran. Beide müssen sich jetzt Lösungen ausdenken. Die Arbeitnehmer, wie sie die offensichtlichen Lücken ausgleichen und die Arbeitgeber, wie sie trotz der Lücken zukunftsfähige Belegschaften gestalten.
Siehe auch: http://reinhardhartl.de/tag/arbeitsmarkt/ .
Die Phase der Veränderung vom Industrie-/Dienstleistungszeitalter zum Informations-/Medienzeitalter ging schleichend, fast unbemerkt vonstatten, aber Sie ist vorbei. Der Wandel ist vollzogen.
Für diejenigen, die der guten alten Zeit nachtrauern, hier eine gute und eine schlechte Nachricht:
Die schlechte Nachricht: Der Kontext, also die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Das muss man wissen, akzeptieren und sich dann anpassen/verändern. Sie wissen wie weh dem menschlichen Bewusstsein Veränderung tut. Ist aber halb so schlimm.
Die gute Nachricht: Der Kern in diesen neuen Rahmenbedinungen bleibt nach wie vor der alte. Die Prinzipien menschlichen Zusammenlebens wie Vertrauen, Fairness, Streben nach Zufriedenheit, Selbstbestimmung, Gesundheit und Wachstum haben nach wir vor Bestand.
Anpassen müssen wir demnach unseren Blickwinkel und die Art unserer Kommunikation. Vollziehen auch Sie den Wandel. Im Vertrieb und auf Ihrem Arbeitsmarkt. Werden Sie zum Profi und gehen in dieser neuen Umgebung mit Leichtigkeit und Lockerheit durchs Leben.
Ein Schnelllehrgang in EKS (Engpass konzentrierte Strategie). EKS ist eine Meta-Strategie, entwickelt von Prof. Dr. Mewes. Die Lizenzen besitzt mittlerweile (leider) das Management-Institut St. Gallen von Prof. Malik.
Ob Konzern, Mittelstandsunternehmen, Freiberufler, Angestellter oder Arbeit Suchender. Die Vorgehensweise ist für alle die selbe.
Den Lehrgang für knapp 2000 Euro empfehle ich nur dann, wenn der Arbeitgeber die Kosten übernimmt. Geht über 15 Monate und ist mit der relativ trockenen, akademischen Schreibe der Frau Friedrich recht zäh.
Für mich derzeit die top Strategie auch für den Bereich Arbeitsmarketing/Karriere. Das Buch ist allerdings nicht mehr als eine gute Grundlage, in die man sich einlesen kann. Allein werden Sie mit Ihrer Strategieentwicklung nicht weit kommen.
http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_ss_i_1_14?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&url=search-alias%3Dstripbooks&field-keywords=das+1×1+der+erfolgsstrategie&sprefix=das+1×1+der+er
Pflichtlektüre mit Einschränkungen! Viele nützliche Tipps, neue Blickwinkel und ideal für eine erste persönliche Bestandsaufnahme. Das Buch hatte ich mir zum ersten Mal vor über 1999 gekauft. Diese Auflage fand ich bei weitem besser als die neuere Version, die noch mehr aufgebläht ist.
Das ist auch schon das Negative an dem Buch. Die Vorgehensweise ist langwierig und zäh. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mehr als 5% der Leser bis zum Schluss durchhalten.
Trotzdem: Allein für das eingangs gesagte ist es die Investition allemal wert.
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