Der Feind für gute Entscheidungen heißt Komplexität. Viele Informationen, viele Aspekte, viele Meinungen, mehrere Interpretationsmöglichkeiten und ein Emotions-Cocktail.
Das alles führt zur Konfusion. Wir verlieren die Übersicht. Es ist wie ein Blindflug über den Atlantik und zu allem Überfluss fallen auch noch die Instrumente aus.
Wir sind weder durch Erziehung noch durch die Schule auf diese Situationen vorbereitet. Wir haben nie gelernt, professionell Entscheidungen vorzubereiten und zu treffen. Unser Pilot wird wie ein Profi handeln, weil er dafür intensiv ausgebildet wurde.
Lernen wir also, in komplexen Situationen cool zu bleiben, Licht ins Dunkel zu bringen und das Chaos zu ordnen. Am besten durch methodisches und systematisches Denken.
Der Vorteil: Sie werden Ihr Denken steuern. Andernfalls übernimmt Ihr Problem das Ruder und reißt Sie hin und her.
“Elefanten versuchen nicht, Giraffen oder Schwalben zu werden. Radieschen versuchen nicht, rote Beete zu werden. Aber wir Menschen versuchen zu sein, was wir nicht sind. Wir ersticken in Idealen, die unerreichbar sind oder die nur auf unsere eigenen Kosten erreicht werden können. Wir gehen auf Zehenspitzen, um nur ja nirgendwo anzustoßen, und werden schließlich ärgerlich auf unsere Zehen, wenn sie uns weh tun” Bruno-Paul de Roeck
oder:
“Veränderung geschieht, wenn jemand wird, was er ist, nicht wenn er versucht, etwas zu werden, das er nicht ist.” Arnold R. Beisser
Gestalten wir unsere Zukunft, indem wir richtige und hilfreiche Entscheidungen treffen.
Das Gleichnis von Buridan’s Esel besagt, dass dieser zwischen zwei gleich großen Heuhaufen elendig verhungert wäre, weil er sich nicht entscheiden konnte, von welchen er fressen sollte.
Klingt banal und lächerlich. Aber wie würden wir entscheiden?
Im Prinzip könnten wir würfeln und die Entscheidung akzeptieren. Die Alternativen sind ja gleich gut. Das Dilemma dabei ist aber: Wenn wir uns für das Eine entscheiden, entscheiden wir uns gleichzeitig gegen das Andere. Wir lassen es also hinter uns. Und genau das macht uns fertig. Beides können wir nicht haben, also müssen wir uns entscheiden. Für das Eine und gegen das Andere!
Was hilft? Ein sauberer, systematischer Denkprozess, der die Situation von allen Seiten beleuchtet und die Entscheidung wirklich einfach macht.
Schülern wurde tatsächlich diese Aufgabe gestellt. Nur für’s in die Schule gehen, pro Woche 5 Euro zu kassieren. Spontanes Ergebnis des unsystematischen Schnelldenkens, wen wundert’s: Begeisterung und zig Ideen, was man mit dem Geld anfangen könnte.
Nach einem geführten systematischen Denkprozess kamen die Kinder ins Grübeln und erstaunlicherweise kamen diese Antworten:
- Stärkere, ältere Kinder könnten sie zwingen, das Geld heraus zu geben.
- Die Eltern würden das Geld auf das Taschengeld anrechnen und entsprechend reduzieren.
- Wieviel Geld wäre gerecht, wenn man z.B. das Alter berücksichtigt? Was wäre gerecht/ungerecht? Streit wäre vorprogrammiert.
- Das Geld würde den Gemeinden fehlen. Busse wären ungepflegter, Lehrer schlechter bezahlt usw.
Systematisches Nachdenken lohnt sich. Wir können uns immer wieder mit neuen Ideen überraschen und effektiver Entscheidungen treffen.
Hochintelligente Menschen können u.U. sehr schlechte, uneffektive Denker sein. Warum?
1. Intelligente Menschen sind in der Lage für praktisch jede Situation eine gut argumentierte Lösung zu konstruieren. Sie werden so zu Gefangenen der Situation, weil sie nur einen kleinen Teil der Gesamtsituation erfassen und messerscharf bewerten.
2. Rhethorische Gewandtheit wird fälschlicherweise oft mit Intelligenz verwechselt. Eine Falle, die häufig zu schlechten Entscheidungen führt.
3. Wissen wird oft mit Intelligenz verwechselt. Ein Trugschluss, der gute Entscheidungen verhindern kann.
4. Hoch intelligente Menschen denken blitzschnell und ziehen ihre Schlüsse dadurch nur aus ganz wenigen Aspekten.
Eines meiner absoluten Lieblingsbücher ist “Die Entdeckung der Langsamkeit” von Sten Nadolny. Der Protagonist und Seefahrer John Franklin – Endecker der Nord-West-Passage und Gouverneur von Tasmanien – leidet an der vererbten Behinderung, unendlich langsam zu sein. Im Verlauf der Handlung steht er vor einer sehr schwerwiegenden Entscheidung, die vielen Menschen das Leben kosten könnte. Er und seine Truppe von Seeleuten haben sich im dichten Nebel auf dem Eis verirrt. Keiner weiß, wo das Schiff liegt. Die schnellen und intelligenten Offiziere möchten sofort aufbrechen. John Franklin denkt nach. Sehr, sehr lange und unbeirrt. Nach Stunden befiehlt er, jede halbe Stunde einen Schuss aus einem Gewehr abzugeben. Nach mehreren Stunden schließlich kommt die Antwort vom Schiff. Warum? Die Truppe befand sich auf einer riesigen Eisscholle, die sich langsam um die eigene Achse drehte.
Im Buch werden mehrere solcher Fälle beschrieben. Sehr spannend.
Mittlerweile können wir unsere Entscheidungen genau so gut, jedoch viel viel schneller treffen, dank moderner Methoden und Techniken.