Problemknacker – Der Schlüsseldienst für Ihr Hirn

Euro-Krise: Wer ist schuld?

Sonntag, 30. Oktober 2011 von reinhard_hartl

Ja, die Griechen sind schuld, nicht wahr?
Irgendwie haben Erinnerungen die Eigenschaft zu verblassen. Gab es für die Währungsunion anfangs nicht einen Stabilitätspakt? Und waren es nicht Frankreich und Deutschland, die den Stabilitätspakt zuerst verletzten und durch entsprechende Gesetzesänderungen aufweichten, mit der Folge, dass die Kontrollmechanismen immer schlampiger wurden und schwerwiegende Defizite viel zu spät erkannt wurden?
Und waren es nicht Finanzprodukte wie diese seltsamen Derivate, die angefangen mit Lehman’s 2008 die ganze Welt in die Krise stürzten? Und sind es nicht eine Art Derivate, die den Rettungsschirm von einigen Hundert Milliarde auf ein Billion hebeln? Wird hier nicht der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben?
Ist nicht der Euro die einzige Währung weltweit, die ohne einheitliche Wirtschaftspolitik gesteurt wird? Wäre nicht die Systematik Politische Union > Wirtschaftspolitische Union > Währungsunion auf Basis einer gemeinsamen Verfassung sinnvoll gewesen?
Ich kenn’ mich da nicht so gut aus; ich bin weder Wirtschaftswissenschaftler, noch Verfassungsrechtler und überhaupt ein leidlich schlechter Politiker.
Und waren wir Bürger, die Zahler der ersten und der jetzt sich andeutenden Krise, die Opfer und Leidtragenden quasi, nicht ganz geil auf die neuen Gewinnchancen, die sich ab den 80ern im Investmentbereich auftaten? Ich weiß noch, wie ich mit meinen vermögenswirksamen Leistungen in 7 Jahren erstmals 13000 Mark erzielte. Wir glaubten tatsächlich, die Steigerungen würden immer weiter gehen, der Dax nach 8000 in Richtung 9000 marschieren?
Sind die Griechen wirklich an allem Schuld? Oder sind sie und die Italiener und Portugiesen und Spanier nur die letzten Glieder in der Kette?

Reinhard Hartl

Vom Tauschhandel bis zu Derivaten: Die Geschichte des Geldes

Sonntag, 30. Oktober 2011 von reinhard_hartl

Am Anfang war der Tauschhandel. Naturalie gegen Naturalie, bewertet nach dem persönlichen Wert der Beteiligten. Hat super funktioniert.
Irgendwann wurde dann erstmals abstrahiert und der Wert von Waren oder Dienstleistungen in Werteinheiten gemessen. Das Geld war erfunden. Und anfangs entsprach der Materialwert des Geldes dem eigentlichen Wert, so bei Gold- oder Silbermünzen.
Dann wurde weiter abstrahiert und das Geld war plötzlich aus Papier und Blech, hatte also per se keinen Wert mehr, sondern den Wert, der von Staats wegen zuerkannt wurde.
Jetzt kam das Buchgeld, das zunächst Hand geschrieben in Kladden von Banken oder Unternehmen geführt wurde, Zinsen wurden berechnet und aufnotiert.
Mit Einzug der EDV war das Buchgeld unsichtbar digital gespeichert und Überweisungen wurden in blitzschnell per Knopfdruck getätigt. Bis dahin war der Geldmarkt unmittelbar mit dem Wirtschaftskreislauf verbunden.
Dann die Revolution. Es wurden Geldprodukte geschaffen, die, losgelöst von den Wirtschaftskreisläufen, ein Eigenleben führten. “Das Geld ist einfach da”, sagte vor kurzem ein Finanzexperte, und kann fast beliebig in gigantischen Mengen vermehrt werden, oder auch verloren. Folge? Finanzkrise, Schuldenkrise, Dollar-Krise, Euro-Krise.

Reinhard Hartl

Griechenland und das EURO-Dilemma

Samstag, 18. Juni 2011 von reinhard_hartl

Die wachsweichen Währungen wie Drachme, Lira oder Peso lösten ihre Probleme durch das Ventil der Abwertungen. Diese Möglichkeit bietet die Einheitswährung nicht mehr. Der Stabilitätspakt wollte die Schwachen und Unzuverlässigen zur Disziplin zwingen und Verstöße bestrafen. Wir wissen jetzt, dass sich beides als unwirksam herausstellte.
Wie schwach der EURO wirklich ist, zeigt die fast hysterische Angst, ein griechischer Staatsbankrott könnte einen Dominoeffekt auslösen und hoch verschuldete Länder wie Belgien, Italien oder Spanien mit in den Abgrund ziehen. De facto ist Griechenland schon pleite und der Staatsbankrott praktisch nicht mehr abzuwenden. Was dann passieren wird, ist nicht absehbar. Vielleicht wäre ein Ausstieg Griechenlands aus der Währungsunion doch die richtigere Option?

Reinhard Hartl

Wie in Griechenland: Der Kini in der Schuldenfalle

Samstag, 11. Juni 2011 von reinhard_hartl

Am 13. Juni jährt sich der Todestag des bayerischen Sonnenkönigs Ludwig des II. zum 125. mal. Die Umstände sind und bleiben rätselhaft.
Der Kini verstieg sich in zahlreiche Bauprojekte, die seinen Schuldenberg immens anwachsen ließen, was schließlich die Regierung veranlasste, ihn zwangsweise entmündigen zu lassen. Entrückt und isoliert von der Welt, ließ er Wagner-Opern aufführen, mit ihm als einzigen Zuschauer. Die Mahlzeiten bekam er in Form eines Tischlein-Deck-Dich serviert, einem Esstisch, der mittels Flaschenzug ins Speisezimmer empor gehoben werden konnte, damit der Kini seine Untertanen nicht sehen musste.
Das Erbe sind die beliebtesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands, z.B. das Märchenschloss Neuschwanstein, das jährlich mehr als 1 Mio. Besucher anzieht.
Überschuldung, Realitätsverlust, Einsichtslosigkeit, Entmündigung. Hellas!

Reinhard Hartl

Griechenland – ein Fass ohne Boden?

Samstag, 11. Juni 2011 von reinhard_hartl

Dass das erste Hilfspaket nicht reichen wird war uns glaube ich allen klar. Dass das zweite Hilfspaket auch nicht reichen wird, ist uns glaube ich auch klar.
Fast komisch wirkt die Meldung, dass Griechenland an tausende Verstorbener immer noch Rente zahlt. Die Zahl von etwa 20 Millionen Euro pro Jahr wirkt angesichts der Milliarden-Pakete richtig unbedeutend und doch vermutet man auch hier nur die Spitze eines Eisbergs. Typisch, möchte man populistisch fast sagen. Komisch ist aber dann nicht mehr, wenn das Thema schon seit einem Jahr bekannt ist und nichts unternommen wurde. Komisch ist dann aber wieder wenn man hört, dass die griechischen Behörden Tausende über Hundertjähriger überprüft, ob sie noch leben.
Das Problem mit Griechenland ist, dass die entscheidende Frage von niemanden beantwortet werden kann. Von mir nicht, von keinem Politiker und keinem Finanzexperten. Was würde passieren, wenn Grichenland den EURO-Raum verlässt und wieder die Drachme einführt.
Grundsätzlich ist das EURO-Dilemma ja, dass die brustschwachen Länder ihre Währung nicht mehr wie früher abwerten können, um dann wieder konkurrenzfähig zu sein. In der Solidargemeinschaft schleifen wir die mit.
Was also steht dagegen? Der politische Anspruch Europa wirtschaftlich, gesellschaftlich, juristisch, politisch und monetär zu einen und Angst, dabei versagt zu haben? Oder wirklich die Gefahr, im Sog Griechenlands könnten auch Italien, Spanien und Portugal abschmieren und Pleite gehen?
Auf alle Fälle wird unserer Bevölkerung zugemutet, dafür zu bezahlen, ein lahmendes vielleicht totes Pferd zu satteln.

Reinhard Hartl

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