Problemknacker – Der Schlüsseldienst für Ihr Hirn

Positionierung auf dem Arbeitsmarkt: Dr. Stephan Enser, Diplom-Soziologe im Chatinterview

Sonntag, 21. August 2011 von reinhard_hartl

Reinhard Hartl: bevor wir loslegen: anonym oder mit vollem namen? ich möchte doch keinen fragenkatalog voranstellen, sondern ihr thema “on the interview” authentisch entwickeln. erste frage: sie sind 40 jahre alt, haben ein magisterstudium in soziologie absolviert und promoviert. was ist ihr konkretes anliegen?

Dr. Enser: meinetwegen mit vollem namen. mein anliegen ist, meine fähigkeiten in einem adäquaten berufsfeld zum nutzen möglichst vieler optimal einzubringen. in meiner sechsjährigen arbeitszeit am institut für soziologie der universität würzburg lernte ich, führungsaufgaben zu übernehmen. ich leitete seminare, entwickelte dort neue themenstellungen und herangehensweisen. meine themenschwerpunkte waren tourismus, migration, film- und kultursoziologie. außerdem bildete ich mich weiter. ich wollte mich nicht nur auf den soziologischen bereich beschränken, sondern erwarb praxisrelevante kenntnisse im management, im vertrieb, im marketing und in der betriebswirtschaft. soft skills, wie rhetorik und teamorientierung vertiefte ich.
meine stärken sind mein analytischer zugang und mein organisationstalent. wenn ich mich einer sache widme, dann tue ich dies mit aller sorgfalt und mit großem durchhaltevermögen. ich lasse mich auch durch rückschläge nicht so schnell aus der bahn werfen. als soziologe sehe ich viele dinge aus unterschiedlichen blickwinkeln und eröffne dadurch ungeahnte neue perspektiven.

Reinhard Hartl: das ist noch recht allgemein, macht aber nichts. im weiteren verlauf werden wir ihre stärken und fähigkeiten noch präziser heraus arbeiten. herr dr. enser, warum haben sie sich für die soziologie entschieden?

Dr. Enser: zum einen wollte ich mich am beginn meines studiums noch nicht auf ein bestimmtes berufsfeld festlegen: medizinstudenten werden in der regel ärzte, bauingenieurwesenstudenten bauingenieure. in der soziologie ist das berufsbild nicht vorgezeichnet, das erschien mir ein vorteil.
zum anderen hat mich das ungemein breite spektrum der soziologie seit jeher fasziniert. eine wissenschaft, die themen wie militärwesen, bevölkerungsstatistik, familie, jugend, sport oder ernährung gleichermaßen fokussiert, ist enorm komplex. Nicht umsonst sprach august comte, einer der gründungsväter der soziologie, von der komplexesten wissenschaft. georg simmel, einer der renommiertesten deutschen soziologen, widmete sich wiederum anderen zwischenmenschlichen phänomenen, wie dem streit oder der koketterie. diese schier grenzenlose themenvielfalt einer wissenschaft wirkte auf mich sehr anziehend.

Reinhard Hartl: hatten sie damals schon konkrete vorstellungen, wie sie ihre fähigkeiten und ihr studium beruflich nutzen wollten?

Dr. Enser: konkrete berufliche vorstellungen hatte ich zum beginn meines studiums, ehrlich gesagt, noch nicht. ich habe das studium auch gewählt, um mir unterschiedliche berufliche perspektiven offen zu lassen. mir war aber klar, dass das studium einer wissenschaft, die das soziale handeln der menschen in den blickpunkt rückt, für jegliches spätere berufsfeld fruchtbar sein wird.und viele fähigkeiten, über die ich heute verfüge, bildeten sich erst im laufe der jahre heraus. früher war ich eher ein einzelgänger. im studium, während meiner arbeit am institut, aber auch in ehrenamtlichen tätigkeiten im sportverein entwickelte ich mich zum team player. ich lernte, verantwortung zu übernehmen für das wohl einer gruppe. durch den kontakt mit menschen in den unterschiedlichsten gruppen wuchs meine menschenkenntnis und mein gespür dafür, mit ihnen harmonisch umzugehen. dass konflikte hierbei nicht immer ausbleiben können, liegt in der natur der sache. doch auch hier half mir das studium, geeignete konfliktlösungsstrategien zu finden.

Reinhard Hartl: welches thema interessiert sie persönlich brennend, sozusagen ihr “herzensthema”, wofür begeistern sie sich?

Dr. Enser: zu meinen “herzensthemen” avancierten immer mehr kulturelle fragestellungen, insbesondere das zusammenleben unterschiedlicher ethnischer kulturen in einer gesellschaft. hier finde ich die ansätze von robert ezra park und paul siu faszinierend. park prägte den typus des “randseiters”, siu den des “gastarbeiters”.
der randseiter ist kultureller Hybride, der bemüht ist, am kulturellen Leben des Gastlandes teilzuhaben, ohne seine kulturellen Wurzeln zu verleugnen. Er versucht die kulturellen Muster des Gastgeberlandes zu übernehmen, was ihm jedoch nur teilweise gelingt. Seine Assimilationsbemühungen werden dadurch erschwert, dass er an seiner alten Kultur festhält, obwohl diese ihn an der Integration hindert.
Ein Typus, der sich gar nicht integrieren will, ist der Gastarbeiter. Der Gastarbeiter bleibt seiner Heimatkultur verhaftet, die er auch in der fremde pflegt. Seine Beziehungen zum Gastland sind zumeist nur wirtschaftlicher Natur. Er arbeitet in der Fremde, um Geld zu verdienen und irgendwann wieder in die Heimat zurückzukehren. Versucht er, sich der fremden Kultur anzupassen, wird aus dem Gastarbeiter ein Randseiter.

Dr. Enser: vielleicht wären die unseligen debatten um integration effektiver, wenn man sich vorher die frage stellen würde, ob es sich bei den migranten in erster linie um “randseiter” oder “gastarbeiter” handelt.

Reinhard Hartl: wo und wie könnten sie sich hier einbringen? ich denke hier informell an ein blog oder professionell an eine struktur, politisch, wirtschaftlich (versicherung . . .) oder sozial. was sie hier kommunizieren ist eine ganz konkrete, handfeste sache. übrigens: paul siu find ich super. die arbeit von park kenne ich persönlich nicht

Dr. Enser: es gibt sicherliche viele organisationen, die von meinen fähigkeiten profitieren könnten. ich denke hier an politische parteien, an verbände, aber auch an einrichtungen, die sich gegen die benachteiligung von randgruppen in unserer gesellschaft einsetzen. dort könnte ich dann in ausschüssen mitwirken, denkanstöße geben und personen, die im mittelpunkt dieser organisationen stehen, strukturell zuarbeiten.

Reinhard Hartl: ausgezeichnete ansätze. wie könnten wir das verfeinern, konkretisieren. im marketing spricht man vom usp der unique selling proposition, dem alleinstellungsmerkmal. wo könnten sie konkret welche probleme/aufgaben mit ihrem wissen und ihrem wesen lösen? übrigens: haben sie schon mal gedacht, ein buch zu schreiben?

Dr. Enser: mein usp sehe ich in der verbindung von fundiertem sachwissen und praxisrelevantem management know how. mein sachwissen bleibt nicht an der oberfläche, sondern ist wissenschaftlich abgesichert. ich bin aber trotzdem nicht der weltfremde wissenschaftler, der fernab in seinem elfenbeinturm sitzt. Schon in meiner Zeit an der Universität habe ich immer wieder die Bezüge zur Praxis hergestellt. Das Denken in Marketing-Kategorien wie dem usp, der marktattraktivität oder der wettbewerbspositionierung sind mir vertraut. die balance zwischen wissenschaft und marketing ist nicht einfach herzustellen. doch viele versuchen dies gar nicht erst, was aus meiner sicht zum scheitern verurteilt ist.
konkret kann ich mir vorstellen, marketing-konzepte für tourismusunternehmen zu entwerfen, integrationskonzepte von parteien und fraktionen zu bereichern oder in verlagen zu solchen themen zu lektorieren.
Ein buch habe ich bereits geschrieben. meine dissertation “soziales extremverhalten” ist im ergon-verlag als monographie erschienen. daneben habe ich aufsätze für sammelbände verfasst und bücher für die schweizerische zeitschrift für soziologie rezensiert.

Reinhard Hartl: sie verbinden theorie und praxis und sind in der lage, ihre gedanken zu publizieren. übrigens steckt in autorität das wort autor. wissen ist macht, das gilt insbesondere für publiziertes wissen. was halten sie davon, unabhängig von ihrer beruflichen zielfindung, beiträge in fachzeitschriften zu veröffentlichen, in wissenschaftlichen blogs zu kommentieren und sich so einen namen als experte für . . . . zu machen

Dr. Enser: ich sehe das etwas skeptischer als sie, herr hartl. zum einen glaube ich nicht, durch solche veröffentlichungen zum experten zu werden. experten sind für mich leute, die es in ihrer langjährigen beruflichen karriere zu etwas gebracht haben und über jegliche kritik erhaben sind. das kann ich von mir noch nicht sagen.
zum anderen wird der begriff experte heutzutage so inflationär gebraucht, dass er an wert merklich eingebüßt hat. es gibt so viele (pseudo-)experten für ernährung, mode oder fitness, dass man gar nicht mehr weiß, wer nun ein experte ist und wer ein scharlatan.

Reinhard Hartl: mit einem artikel wird man freilich nicht zum experten. ich will sie hier “branden”, es wäre also eine sache der kontinuität bis die crowd auf sie aufmerksam wird. der markt bzw. die crowd entwickelt sie, z.b. durch die feedbacks! interessanter gedanke, nicht wahr?

Dr. Enser: ja, doch gewiss. was habe ich zu verlieren? wenn es wirklich so eintritt, wie sie beschreiben, dann ist es prima. wenn nicht, haben wir es wenigstens probiert.

Reinhard Hartl: wie geht es ihnen momentan? inwieweit können wir den ersten teil unserer themenentwicklung abschließen und welches zwischenergebnis können sie für sich definieren? im zweiten teil wäre mein ziel, konkrete wege zu erarbeiten, die wir gemeinsam im feed forward – feedback – verfahren entwickeln könnten. ziel des zweiten abschnittes ist demnach ganz konkret ihr traumjob.

Dr. Enser: mein zwischenfazit lautet: aufgrund meiner beruflichen und menschlichen qualitäten bin ich für sehr viele arbeitsbereiche geeignet. es mangelt mir lediglich an berufspraxis (gerade in den letzten 3 jahren). sehnsüchtig warte ich darauf, dass mir ein arbeitgeber die chance gibt, diesen mangel zu beheben.

Reinhard Hartl: ich glaube, was ihnen fehlt ist eine klare ausrichtung und fokussierung. klingt alles ein bisschen nach generalist. der markt sucht spezialisten, die spezielle probleme lösen. wie könnten wir ihr profil schärfen?

Dr. Enser: zusammenfassend und profil-schärfend sehe ich mich als spezialist für
1. touristische fragestellungen, die ich auf gehobenen kulturwissenschaftlichem niveau erörtere, ohne praktische – marketing-relevante – bezüge aus dem auge zu verlieren
2. migrationsfragen, die nur zu lösen sind, wenn man vorher herausfindet, welchen „typen des fremden“ einzelne migranten zuzuordnen sind
3. film- und medienwissenschaft, die ich durch einen völlig neuartigen zugang (verflechtung von filmhandlungen und soziologischen themen) bereichere

Reinhard Hartl: und was heißt das jeweils ganz konkret? für wen genau könnten sie genau welches problem lösen? ich steh da etwas auf der leitung, weiß zwar was sie meinen, aber ich war noch nie tief in diesen themen drin und bin in keinem der fälle experte.

Dr. Enser: 1. tourismusagenturen erstellen zwar detaillierte mikroumfeldanalysen (erörterung des marktes, der wettbewerber, des eigenen unternehmens), bei den makroumfeldanalysen ist ihr soziologisches wissen jedoch stark eingeschränkt. eine fundierte makroumfeldanalyse muss soziologische fragestellungen (wie verändert sich die gesellschaft? welchen einfluss haben klassen, schichten, milieus, lebensstile? welche rolle spielen prestige, freizeit, distinktion?) einschließen, wenn sie nicht an der oberfläche bleiben will. hier kann ich abhilfe schaffen. auch bei der marktsegmentierung, der unterteilung des gesamtmarktes in unterscheidbare nachfragergruppen, genügt es nicht mehr, nur zwischen einkommen, beruf und bildungsstand zu unterscheiden. auch hier sind kulturelle vorlieben, lebens- und freizeitstile viel wichtiger, die quer liegen zu den „klassischen“ kategorien der sozialstrukturanalyse. fazit: ich verbessere durch mein soziologisches wissen sowohl die makroumfeldanalyse als auch die marktsegmentierung der tourismusagenturen. dadurch können sie eine viel effektivere marketingplanung durchführen.
2. institutionen, die sich mit migrationsfragen beschäftigen, versuchen m. e. migranten krampfhaft zu assimilieren. sie vermitteln sprachkurse und bemühen sich um finanzielle unterstützung. sie fragen aber nicht, ob es sich bei den migranten um „gastarbeiter“ oder „randseiter“ (definitionen s. o.) handelt. wenn man dies weiß, kann man eine viel gezieltere integrationspolitik betreiben. man kann hinterfragen, warum sich gastarbeiter nicht integrieren wollen. ebenso kann man die probleme des randseiters, die aus seiner bikulturalität erwachsen, ansprechen und zu lösen versuchen. hierzu ist es wichtig zu wissen, wieviel der randseiter von seiner heimatkultur bereit ist aufzugeben.
3. die filmwissenschaft beschäftigte sich bislang nur mit film-technischen aspekten. beispielsweise versucht sie filme zu bestimmten genres zuzuordnen, indem sie auf typische merkmale eines genres verweist. oder sie untersucht, wie sich die charaktere im filmischen raum bewegen. typisch hierfür ist murnaus „nosferatu“, in dem jedes räumliche arrangement bedeutungsvoll ist. das problem der filmwissenschaft ist also ihre eindimensionalität. was ihr bislang fehlte, sind die verbindungen zu anderen wissenschaften, z. b. der soziologie. die von mir geprägte version der filmanalyse ist interdisziplinär. dadurch verbleibt sie nicht in ihren eigenen kategorien und fragt danach, wie charaktere ins licht gesetzt werden, um dem entsprechenden genre gerecht zu werden. mittels einer interdisziplinären filmwissenschaft, so wie ich sie verstehe, werden soziologische fragestellungen (wie funktioniert das leben in der großstadt? wie das in psychiatrischen institutionen? welche rolle spielte sozialer aufstieg in den 50er jahren?) anschaulich gemacht. ungeahnte parallelen zwischen film und wissenschaft treten zu tage. inwieweit sie vom regisseur intendiert waren, lässt sich dann trefflich diskutieren.

Reinhard Hartl: 3 total interessante themen und bereiche. eine kernfrage für die persönliche positionierung lautet: was mache ich besonders gut UND besonders gern. beispiel: ich koche gern aber nicht gut genug um ein restaurant zu eröffnen. ich bin musikalisch, kann aber weder gut genug singen oder gar ein instrument spielen. gut UND gern ist die entscheidende schnittmenge, um ihrem herzenswunsch ganz nahe zu kommen. wo schlägt ihr pendel am stärksten aus, bei 1, 2 oder 3 UND was ist wirtschaftlich lukrativ.

Reinhard Hartl

Stellenanzeigen 2011: 90 % werden immer noch in der Zeitung ausgeschrieben

Sonntag, 14. August 2011 von reinhard_hartl

Nur 10 % werden über das Social Web gesucht. Ein wichtiger Hinweis für alle Arbeitsuchenden. Allerdings sprechen wir hier über die verbliebenen offenen Stellen, nach dem Besetzen über Initiativbewerbungen oder persönliche Kontakte und Empfehlungen. Hier kann jeder Bewerber die Möglichkeiten des Social Web nutzen. Ansonsten heißt es: Zeitung kaufen, um die Chancen signifikant zu erhöhen.

Reinhard Hartl

Hochschulabsolventen/innen – Target Jobbing oder: Der richtige Einstieg

Samstag, 18. Juni 2011 von reinhard_hartl

Absolventen/innen schielen oft auf Großkonzerne als zukünftige Arbeitgeber, gerne dabei Unternehmen der Konsumgüterindustrie mit hochwertigen Produkten und auf Grund großer und teurer Werbekampagnen entsprechend großem Bekanntheitsgrand und gutem Image. Die Hidden Champions unter den kleineren und unbekannteren Mittelständler werden oft übersehen. Was man nicht kennt ist einem nicht vertraut, was einem nicht vertraut ist, ist nicht erste Wahl.
Viel wichtiger wäre, dass die Position zu den persönlichen Stärken, Talenten und Neigungen sowie den Studienschwerpunkten passt. Je schärfer das persönliche Profil, je deutlicher der rote Faden im Lebenslauf, desto höher wird auf lange Sicht der Marktwert auf dem Arbeitsmarkt.
In Großkonzernen besser aufgehoben sind Karrieristen mit starken Ellenbogen, die konsequent ihre Karriere verfolgen und durchsetzen. Die Anonymität in Großunternehmen ist auch gut geeignet für Menschen, die geregelte Strukturen brauchen, sich selber nicht so sicher sind oder eben nicht auf eine steile Karriere setzen.
Beim Hidden Champion ist gut aufgehoben, wer schnell Verantwortung übernehmen will, weiß was er/sie kann und hoch flexibel ist. Er/sie identifiziert sich sehr stark mit Branche, Unternehmen, Position und Aufgaben/Projekten.
Grundlegend wichtig ist immer das magische Dreieck aus Geografie, Gehalt und fachliche Eignung. Wenn diese Parameter grundsätzlich passen, gehen Sie in die zweite Runde.

Reinhard Hartl

Wie geht Karrierestrategie?

Samstag, 30. April 2011 von reinhard_hartl

Nehmen wir den Fall des Bilanzbuchhalters Brandes. Es ist ein Beispiel aus der EKS®-Literatur.
Herr Brandes war ein Bilanzbuchhalter wie so viele andere auch. Seine Fachkenntnisse waren eher durchschnittlich und im Vergleich zu den vielen Bewerbern auf dem Arbeitsmarkt im Wettbewerb um die wenigen Positionen kam er nie zum Zug.
Eine Analyse allerdings deckte auf, dass er in einem sehr kleinen, speziellen Bereich zumindest Grundkenntnisse besaß, nämlich der in den 60er Jahren aktuellen Zonenrandförderung. Dieses Spezialwissen, das ihn von allen anderen abhob, obwohl es auch nur durchschnittlich war, baute er konsequent aus und verhalf ihm zu einer steilen Karriere.
Was hat das mit Ihnen zu tun, wo Sie vielleicht Ingenieur sind oder Vertriebsleiter oder Arbeitsvorbereiter? Wenden Sie die Systematik doch einfach für Ihren eigenen Bereich an und entwickeln Sie Ihre Spezialkenntnisse.

Reinhard Hartl

Wer kennt die Hidden Champions unter den Arbeitgebern?

Samstag, 30. April 2011 von reinhard_hartl

Gestern kamen ein Kollege und ich im Rahmen einer Zielgruppenthematik auf die sog. Hidden Champions. Wie die denn zu finden seien? Ich kenne die HC’s aus dem industriellen Umfeld und mittlerweile kann ich die, die ich noch nicht kenne, an Hand bestimmter Parameter als solche erkennen und identifizieren. Mir sind gerade in Bayern top Unternehmen u.a. aus den Bereichen Maschinenbau, Kunststofftechnik, Hochfrequenztechnik, Hydraulik und Elektrotechnik bekannt.
Als ich vor 17 Jahren begann, mit der Engpass konzentrierte Strategie® (EKS®) zu arbeiten, stieß ich gleichzeitig auf die Hidden Champions, mittelständisch geprägte Weltmarkt- und/oder Innovationsführer, die ihren überragenden Erfolg der Tatsache verdanken, sich absolut dem konkreten Nutzen und der Lösung brennender Probleme für ihre Zielgruppe zu verschreiben. Die Lösung dieser Probleme oder auch limitierender Faktoren, bringen die Zielgruppe in ihrer Entwicklung weiter.
Als Arbeitgeber sind diese Unternehmen ein Traum. Hochinnovativ, mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein, nachhaltig, stabil, relativ krisenresistent usw. usw. usw. Das Problem ist nur, dass diese Unternehmen “hidden” sind. Aus dem B2B-Geschäft heraus sind sie in der Branche weltweit bekannt, nur auf dem Arbeitsmarkt haben sie überregional oft das Nachsehen.
Diese Unternehmen aus der Versenkung des Arbeitsmarktes herauszuholen und gleichzeitig mit den “Hidden Champions” auf dem Markt der Talente, Potenziale und potenzieller Mitarbeiter, sprich Arbeitsmarkt, zusammenzubringen, das ist die elementare Aufgabe des employer brandings und des employee brandings.
Wenn jede Partei es schafft, ein knackiges, unverwechselbares Profil zu präsentieren, wird das matching, also die passgenaue Besetzung von Fach- und Führungspositionen einfach. Arbeitgebermarke meets Arbeitnehmermarke.
Karrieretipp: Lesen Sie sich in die Grundlagen der EKS® ein. Als Meta-Methode ist sie nicht nur für Unternehmens- sondern gerade auch für Karrierestrategien hervorragend geeignet.

Reinhard Hartl

Karrierestrategie – Die nächste Krise kommt bestimmt

Sonntag, 03. April 2011 von reinhard_hartl

Immer weniger Arbeitslose, ein schon eklatanter Mangel an Fachkräften, insbesondere im MINT-Bereich, demographische Überalterung der Gesellschaft und immer weniger sozialkompetenter Nachwuchs. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind so gut wie nie. Jede(r) einigermaßen gut qualifzierte Arbeitssuchende(r) kann sich den Job praktisch raussuchen und wird, so ist der Mensch, das vermeintlich beste und lukrativste Angebot wählen. Meist handelt es sich um Großunternehmen und Konzerne, börsennotiert, mit einem erstklassigen Namen und Image auf dem Arbeitsmarkt.

Ich gebe hier zu bedenken, dass diese Unternehmen mit ihrem Shareholder im Rücken in der nächsten Krise nicht lange fackeln werden und ihr Personal schnell reduzieren werden. Last in first out. Außerdem sind Kandidaten, die aus solchen Großunternehmen kommen am Arbeitsmarkt nicht sehr begehrt. Siemens, BMW, AUDI im Lebenslauf ist nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal. Sprechen Sie mit meiner Zielgruppe, den produzierenden Mittelständlern und Hidden Champions. Denen sind Fachkräfte lieber, die sich eigenständig entwickelt und gelernt haben, schon früh Verantwortung zu übernehmen.

Für die Karrierestrategie ist es deshalb entscheidend wichtig, die richtigen Weichen zu stellen. Glaubt mir eh’ keiner und fast jeder wird der Verlockung nachgeben und beim “Großen” anheuern. Die Coachings in der späteren Jobsuche sind dann kein Zuckerschlecken. Erst müssen diese Menschen runter von ihrem hohen Niveau. Wo soll man so jemanden positionieren, der sagen wir mal bei Quimonda oder Ben-Q war? Welcher Arbeitgeber nimmt so jemanden, der vom Gehalt und der Verantwortung her verwöhnt ist. Auf der anderen Seite, wie wollen Sie argumentieren, dass Sie jetzt in der Not plötzlich mit einem relativ unbekannten Unternehmen, einer bescheideneren Position und weniger Gehalt zufrieden sind? Jeder wird glauben, dass Sie den komplexen Anforderungen im Mittelstand nicht gewachsen und bei der ersten sich bietenden Gelegenheit wieder weg sind.

Reinhard Hartl

Top Tipp: Originelles Thema für die Diplomarbeit III

Sonntag, 02. Mai 2010 von reinhard_hartl

Ein weiteres Thema, das sich von der Masse abhebt: Diplomarbeit über Marketing für kleine Handwerksbetriebe.

Es ist ganz erstaunlich, mit welch einfachen Mitteln z.B. ein einfacher kleiner Handwerksbetrieb die Anzahl lukrativer (und zahlungssicherer!) Aufträge steigern kann. Probleme sind einerseits die Mentalität (haben wir immer so gemacht) und mangelndes Wissen um die Hebelwirkungen von einfachen Marketingmaßnahmen. Eine Internetpräsenz allein reicht natürlich bei weitem nicht.

Es geht mir hier aber nicht um die Details des Themas, sondern um das Karrieremarketing. Mit solchen Themen ist man allein, man hebt sich ab und geht nicht in der Masse unter. Man wird wahrgenommen, bekommt Angebote und kann sich so entsprechend positionieren.

Reinhard Hartl

Top Tipp: Originelles Thema für die Diplomarbeit II

Sonntag, 02. Mai 2010 von reinhard_hartl

Ein gleichermaßen ungewöhnliches wie faszinierendes Thema für eine Diplomarbeit einer Studentin der Sozialpädagogik: “Sozialkompetenzförderung bei geistig beeinträchtigten Jugendlichen am Beispiel von Cheerleading.”

Lohn war die Note “sehr gut” und ein Förderpreis in Höhe von 500 Euro sowie ein ausführlicher Artikel in der Tageszeitung.

Eine sehr gelungene Positionierung für die zukünftige Karriere, die viele Türen in Richtung Sozialkompetenzförderung bei Organisationen aller Art öffnen wird.

http://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/Cheerleading-mit-behinderten-Jugendlichen;art599,2108213

Reinhard Hartl

Top Tipp: Originelles Thema für die Diplomarbeit I

Sonntag, 02. Mai 2010 von reinhard_hartl

Mit dem Tod beschäftigt man sich nicht sehr gerne. Vielleicht gerade deswegen führt die Bestattungsbranche ein Schattendasein. Doch auch das sind Unternehmen, die ihr Geld verdienen und wirtschaftlich-unternehmerisch denken und handeln müssen.

Zwei meiner ehemaligen Studienkollegen sind Sohn bzw. Tochter von zwei sehr bekannten Bestattungunternehmen in der selben Stadt von etwa 60.000 Einwohnern. Der eine Sohn erzählte mir, dass z.B. Rahmenverträge mit Altersheimen geschlossen werden, dass man eng mit der Autobahnpolizei zusammen arbeitet und dass die Kollegin Marktführerin im Stadtgebiet, er dagegen im Umland ist. Makaber? Wirtschaftlich!

Ein Student der Medienwirtschaft hat sich des Themas angenommen und analysiert, wie Bestattungsunternehmen ihre Prozesse optimieren können.

Basis war eine Bestandsaufnahme über die Prozesse bei den Bestattern. Eine Bank ist die Nachfrage, also die Sterberate. Nicht planbar sind die individuellen Wünsche der Hinterbliebenen.

Sein Fazit: Viele Prozesse könnten mit viel weniger Aufwand durchgeführt werden, ohne dass die den Trauerfällen angemessene Pietät darunter leiden würde. Gewinnmaximierung durch straffere Prozesse und zugleich den Dienstleistungscharakter erhöhen, könnte das Unternehmensziel sein.

Mein Fazit: Viele Absolventen machen sich es sehr einfach, besuchen die Karrierebörsen und fragen bei den Unternehmen nach, welche Themen für Diplomarbeiten angeboten würden. Hier haben wir ein Beispiel, dass es auch anders geht. Dieser junge Mann geht sicher nicht im Mainstream unter, sondern hebt sich mit einem einzigartigem Thema ab.

Reinhard Hartl

Grundkurs “richtig bewerben”

Samstag, 24. April 2010 von reinhard_hartl

Bitte stellen Sie sich vor, ein Unternehmen schreibt eine Position aus. Im Normalfall gehen 100 +xx Bewerbungen ein. Was passiert dann? Eine Assistentin wird beauftragt, die Bewerbungen zu sichten und 90 % auszusortieren. Die verbleibenden 10 % werden dem Entscheider vorgelegt, der die Unterlagen eingehend sichtet und etwa 5 – 7 Personen in die engere Wahl zieht. Dann wird angerufen, eingeladen, nochmal eingeladen und dann entschieden.

Nach welchen Kriterien aber sortiert die Assistentin die 90 % aus?

1. Optik, Sauberkeit, ordentlicher äußerer Eindruck

2. Anschreiben: Hieraus zieht sie Schlüsse bezüglich fachlicher Eignung, Gehaltsvorstellung usw.

3. Lichtbild: Aktualität, Eindruck, Professionalität

4. Lebenslauf: Lückenlos? Optik, Schlüssigkeit, logischer Aufbau

5. ARBEITSZEUGNISSE: Sie müssen vollständig vorhanden sein!

Bei der Jobsuche spreche ich lieber von Jobmarketing. Es ist in Wahrheit ein Marketingprojekt und ein Verkaufsprozess.

http://www.bewerberblog.de/?p=3718

Reinhard Hartl

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