Nein, nicht von mir! Wolfgang Kubicki, Chef der Fraktion in Schleswig-Holstein hat das Debakel der FDP in den letzten Wahlen und den miserablen Umfrageergebnissen so drastisch kommentiert.
Ich war ja damals recht angetan, als Herr Rösler die Posten und Machtverhältnisse umschichtete. Und jetzt: Schlechte, ganz schlechte Performance. Keine klaren Aussagen, keine Antworten. Nix geliefert, wie es Rösler vor kurzem großspurig ankündigte.
Vor kurzem ein Radio-Interview in Bayern 2 mit dem Generalsekretär Christian Lindner. Immer wieder die bohrende Frage: “Aber die Wählerschaft nimmt das so wahr!” Lindner genervt und sauer: “Sie sprechen schon wieder von der Wahrnehmung!” Die Fakten hinsichtlich der Leistungen der FDP seien so und so, blablabla. Hört’s Euch selber an.
Geht es nicht gerade darum, wie die Wahrnehmung ist? Jedes Unternehmen lebt von der Wahrnehmung, Milliarden werden verbraten, damit Benetton, BMW, Siemens, Calvin Klein, Vaillant so oder so wahrgenommen werden. Gerade die Wahrnehmung ist doch entscheidend. Die paar schwachen Ergebnisse, an denen die FDP mitgewirkt hat fallen da nicht auf und sind für uns Normalbürger weder nachvollziehbar noch verifizierbar.
Die FDP geht völlig an der Realität, dem Volk, den Wählern und sogar der Zielgruppe vorbei. Das wird nix mehr. Das die historischen 17% nicht der Aufbruch in die deutsche Partei-Championsleague war, sondern Ergebnis verzweifelter und unschlüssiger Wechselwähler wurde in der Euphorie und Arroganz total übersehen. Vorbei sind Kampfgeist, Kompetenz, Klarheit und Orientierung.
Schade um die Marke.
Erstaunlich, eine Performance der Piratenpartei (hier geht’s zum Blog), die die de Grünen in den Schatten stellt. Jung, modern, kritisch, ursprünglich, normal. Kein Öko-Touch, wie damals bei den Grünen, in Bayern lange als “Körndlfresser” verschrien. Irgendwie sah man des dem Grünen an. Die Piraten sind da ganz normal. Du erkennst die nicht auf der Straße. Im Oktober bundesweit die 15tausender Marke geknackt, allein in Bayern mehr als 4.500. Normal, wie Du und Ich, das ist eines der Erfolgsgeheimnisse. Und während alle etablierten Parteien schon lange versuchen auf den 2.0-Zug aufzuspringen, Herr Schäuble und Herr Westerwelle auf XING, Blogs, FB etc., sind die Piraten eine wirkliche Netzpartei. Und die Kombi aus normal + Netz wird noch für viel Aufsehen und Überraschungen sorgen. Inwieweit sie mit den Angriffen im Haifischbecken Politik umgehen können, wird sich rausstellen. Ich glaube, dass die Blogosphäre stärker sein wird. Den Etablierten wird Hören und Sehen vergehen.
Fehler sind es, die uns weiter bringen. Versuch und Irrtum war und ist die Dynamik der Evolution.
Polens Elite aus Politik, Wirtschaft und Militär ist ausgelöscht. Warum? In vielen Ländern wie Amerika oder auch Deutschland ist es üblich, die Führungsriege getrennt reisen zu lassen. Warum versuchte die Maschine trotz Abraten durch die Fluglotsen dennoch zu landen?
Wir wünschen der polnischen Führung viel Geschick und Umsicht im Krisenmanagement und der Besetzung dieser höchstrangigen Posten. Und ein Gespür für Risiken und Prophylaxe. Wird schon gutgehen oder Augen zu und durch sind selten gute Ratgeber und keinesfalls weise.
Mehr Infos und (zum Teil sehr persönliche) Meinungen und Kommentare unter: http://www.rss-pool.net/tagesschau/268272/polen-trauert-um-praesident-kaczynski/
In puncot Marketing und Positionierung eine glatte 6. Aus der Opposition heraus Gas zu geben und die Regierung vor sich her zu treiben ist vergleichsweise einfach. Noch dazu, wenn den Regierungsparteien Profil und Format fehlen.
Selber in der Verantwortung zu sein ist eine völlig andere Situation. Vom Jäger zum Gejagten. Klar ist, dass Westerwelle uns seine FDP diesen Wechsel nicht geschafft haben.
Das gilt auch für die eigene Karriere. Erst Mitarbeiter oder Kollege, jetzt Vorgesetzter.
Napoleon lässt grüßen: Die ersten 100 Tage sind entscheidend. Bei ihm endeten sie in Waterloo.
Führungskräfte, Unternehmen, Parteien machen die gleichen Fehler. Sie machen weiter wie vorher. Wenn Sie es nicht selber schaffen, holen Sie sich Hilfe von einem Außenstehenden, dessen Blick ungetrübt ist. Für ein ehrliches, manchmal schmerzhaftes Feedback reicht es allemal.
Es ist wie im Vertrieb: Die Geister, die ich rief! Erst diebische Freude dem Konkurrenten mächtig an den Karren zu fahren und das Ganze populistisch auszuweiden. Dann Schock und Ernüchterung. Gegenangriff in einer Art und Weise, die man nicht erwartet hätte. Bleibt uns Bürgern die diebische Freude, dass die Superreichen wegen Steuerhinterziehung öffentlich belangt werden (Zumwinkel lässt grüßen) und jetzt unsere Politiker zittern, weil die Schweiz auch hier die Anleger bekannt geben möchte.
Für den Vertrieb heißt das: Pass’ auf, wem Du wo weh tun willst. Die anderen sind oft klüger, als man selbst.