Spätestens dann, als 2008 der Mangel an Arbeits- und Fachkräften eklatant war und weite Teile Bayerns in Richtung Vollbeschäftigung marschierten lernte ich, vom Recruiter zum Talentsucher zu werden.
Ich lernte, Talente, Potenziale und interessante Persönlichkeiten aufzuspüren und im Sinne der Engpass Konzentrierten Strategie (EKS) weiter zu entwickeln. Fast immer stieß ich unter der Oberfläche auf latente Potenziale; blieb nur noch die Frage, wo sie hinpassten und wie sie entwickelt werden könnten. In meiner Tätigkeit in der Zeitarbeit prägte ich z.B. den Begriff “Zeitpersonalentwicklung“. Hand in Hand mit den Entleihbetrieben entwickelte ich gezielt Zeitpersonal, das ein Unternehmen im Normalfall nie eingestellt hätte, einfach weil die Lebensläufe nicht passten. Arbeitsplatz bezogene Qualifizierung, persönliche und fachliche Entwicklung bis hin zur Übernahme in eine Festanstellung wurden Potenziale genutzt, die für den Arbeitsmarkt sonst verloren gewesen wären.
Problematisch ist die westliche Denke, die eine Vakanz wie in einem Puzzle mit dem exakt passenden Puzzleteil besetzen möchten. Die Schnittmenge wird dadurch sehr klein. Den Job bekommt, wer die Position per Lebenslauf am besten “matched” und sich persönlich am besten verkauft. Ob das dann aber auch die besten Mitarbeiter werden möchte ich bezweifeln. Meine persönliche Erfahrung sagt nein.
In der fernöstlichen Personalarbeit sieht man in einem Kandidaten eine Art Mosaikstein. Wenn er interessant ist und gefällt, überlegt man, wie man dieses ungeschliffene Potenzial idealerweise ins Unternehmen integrieren kann.
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Vielleicht könnte man hier auch in Deutschland beginnen umzudenken?
Der Fachkräftemangel ist seit Jahren in aller Munde, allein so richtig groß ist der Leidensdruck noch nicht. Grüße vom Boiled-Frog
Eben weil der Prozess schleichend statt findet, bemerkt man ihn nicht. Es braucht immer mehr Einsatz, nur um immer mehr Angemessenes zu bekommen. Wir lernen, mit der Angemessenheit zu leben.
Die Anwerbung der Besten der Besten wird keine Frage des Standortes sein. Auch keine Frage des Wachstums. Sondern schlichtweg eine Frage des Überlebens. Konkurrenzfähig bleibt nur der, der die Besten der Besten für sich gewinnt. Und auch das allein wird nicht reichen. Es wird ein Umdenken statt finden, zwangsläufig, und die entstehenden Lücken werden u.a. organisatorisch gekittet werden, z.B. durch eine andere Arbeitsteilung und angepassten Prozessen.
Für den Arbeitsmarkt 2020 sehe ich folgende Megatrends.
1. Mosaik statt Puzzles:
Das westliche Unternehmen denkt in Puzzles. Sie sucht das passgenaue Gegenstück, das genau in das Anforderungsprofil passt. Das fernöstliche Unternehmen denkt in Mosaik. Sobald sie etwas Ansprechendes findet überlegt sie, wie sie es am Besten verwendet. Sollte es nötig sein, es zu veredeln, wird das so passieren, dass der Charakter und die Persönlichkeit mindestens erhalten bleiben oder wie ein Diamant durch einen fachmännischen Schliff überragend strahtl. Wir werden nach Talenten und Potenzialen suchen müssen und nicht nach Abschlüssen und Zertifikaten, um dann zu sehen, wie das Potenzial für das eigene Unternehmen am Besten zur Geltung kommt.
2. Lebenslang lernen:
Alles Gelernte ist nur eine Basis, die es zukünftig immer wieder Punkt genau, Projekt bezogen und Tages aktuell upzudaten ist. E-learning, virtuelle Akademien, 24/7-lernen, unabhängig von Zeit und Ort . . .
3. Virtuelle Arbeitsplätze:
Wie antiquiert und verstaubt sich das Wort “Telearbeitsplatz” anhört und es ist gerade mal 10-15 Jahre her, als es in aller Munde war. Virtuelle Konferenzen, Projektmeetings im virtuellen Raum, virtuelle Präsentationen, Webinare . . . Das ist jetzt schon Realität und kann zukünftig ein Gestaltungsinstrument für die firmeneigene Personlapolitik sein.
4. Frauen an die Macht:
Auch bedingt durch > 3., den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und dem eklatanten Mangel an weiblichem Denken in der Welt werden Mütter wieder problemlos Arbeit finden.
5. Teilqualifikation und Integration:
Jeder 14. Deutsche hat mittlerweile einen Migrationshintergrund (oder jeder 7.?). Egal. Das was jetzt an Rohstoff Brach liegt, weil wir es gesellschaftspolitisch nicht geschafft haben für eine vernüfntige Integration zu sorgen, wird in Zukunft überragend wichtig werden. Wir müssen nur > 1. die Potenziale erkennen, fördern, ausbauen und ausschöpfen. Punkt.
6. Dynamisierung des Arbeitsmarktes durch Deregulierung:
Auch die Gewerkschaften werden erkennen, dass es in Zukunft nicht mehr möglich sein wird, Arbeitsplätze lebenslang abzusichern. Flexiblisierung + Absicherung = siehe Dänemark. Es wird beides gehen müssen und bezahlbar sein. Wenn wir alle vorhandenen gesellschftlichen Potenziale ausschöpfen.
7. Die “Alten” 50++ . . .
. . . werden wieder gefragt sein. Siehe Mosaik, siehe Potenziale usw.
Das alles und noch viel mehr, können wir sehen, wenn wir den schleichenden Untergang erkennen und uns SCHNELL anpassen
Ein schweizer Unternehmensberater hat dieses geniale Tool erfunden. Er lässt jeweils 5 Unternehmen auflisten:
Gruppe I: 5 Unternehmen, die meine Hauptumsatzträger sind
Gruppe II: 5 Aussichtsreichsten Unternehmen mit Potenzial
Gruppe III: 5 Strategisch für mich wichtigste Unternehmen
Gruppe IV: 5 Traumkunden mit Potenzial
Der Nutzen? Sie haben die aktuelle, kurze, mittlere, strategische und lange Sicht gleichzeitig im Fokus und können daraus Ihre Prioritäten setzen und daraus Ihre Aufgaben in Ihrer Wochenplanung ableiten, definieren und terminieren. Zugleich also ein perfektes Tool für Ihr Zeitmanagement. Zugleich arbeiten Sie nach dem Pareto-Prinzip, weil Sie sich mit den jeweils top 5 mit Sicherheit um die jeweils 80% Potenzial kümmern.